Box of "KONZERTHAUS DORTMUND HONIG" jars, with one prominent jar in focus. Yellow buckets in background.

Einblick

Vom Konzerthaus-Dach ins Glas

Hinter den Kulissen der Honigernte

Der Duft von Honig und Bienenwachs

Langsam beginnt die Honigschleuder sich zu drehen, bewegt die Waben immer schneller im Kreis. Ein Surren erfüllt die Luft, die leicht nach Honig und Bienenwachs riecht. An der Decke summen zwei, drei einzelne Bienen. Sie sind mit den Waben mitgekommen, die Imker Henricus Stute vom Konzerthaus-Dach in den Dortmunder Süden gebracht hat. Dorthin, wo an diesem Tag der Honig der Bienen geschleudert wird, die seit Mitte April vom Konzerthaus-Dach auf der Suche nach Nektar und Pollen ausschwärmen.

A dark, larger queen bee is surrounded by numerous worker bees on a vibrant golden honeycomb.

Konzerthaus-Bienen bei der Arbeit

© Corinna Ludwig

Die erste Honigernte der Konzerthaus-Bienen konnte Henricus Stute schon Ende Mai einholen. Kiloweise. 85 Kilogramm flüssiger, hellgelber Honig steht nun am Konzerthaus bereit – abgefüllt in Gläser, auf denen Blüten Tschaikowskys Blumenwalzer formen. »Die Frühtracht war sehr erfolgreich«, erzählt Henricus Stute, der mit einem solchen Ergebnis gar nicht gerechnet hatte. Für ihn ist die gute Ernte ein Zeichen dafür, dass die Bienen mitten im Brückviertel und seiner Umgebung genug Nahrung finden. Rosskastanie und Ahorn zum Beispiel. Aber auch Raps, Vergissmeinnicht und Rosengewächse weist der offizielle Prüfbericht in dem ersten Konzerthaus-Honig nach.

Honigwaben im Schleudergang

»Jetzt sind wir gespannt, wie die Sommertracht zusammengesetzt ist und schmeckt«, sagt Henricus Stute und blickt auf die Honigschleuder. Fünf Minuten dreht die Maschine in dem Kellerraum jeweils sechs Waben durch den »Schleudergang«. Das »flüssige Gold« fließt durch den Zapfhahn in ein engmaschiges Sieb, das auch kleinste Wachspartikel aufhält, und dann weiter in einen großen Auffangbehälter. Der füllt sich schnell mit dem gold-glänzenden Honig. Die Schleuder surrt, der Honigstand steigt. Ist der Überlauf des Auffangbehälters erreicht, geht es für die Masse weiter in den nächsten Eimer. Henricus Stute schätzt:

»Wenn wir schnell sind, können wir in einer Stunde bis 100 Kilo schleudern.«

Nach dem Schleudergang fließt der Honig in den Auffangbehälter.

© Corinna Ludwig

Patricia Stute platziert die Waben in der Schleuder.

Patricia Stute platziert die Waben in der Schleuder.

© Corinna Ludwig

Fünf Minuten im Schleudergang

Fünf Minuten im Schleudergang

© Corinna Ludwig

Eimer für Eimer füllen sich mit Honig

Eimer für Eimer füllen sich mit Honig

© Corinna Ludwig

Mit »Wir« meint der Dortmunder Imker sich und seine Frau Patricia. Auch sie steht an diesem Morgen an der Honigschleuder. Mit schnellen Handgriffen entnimmt sie die Waben den Holzkästchen – den so genannten Zargen – die aufeinandergestapelt den Bienenstock bilden. Geschickt entfernt die Hobby-Imkerin die Wachsschicht, mit denen die Bienen die Waben verschließen, wenn der Honig reif ist. »Entdeckeln«, heißt dieser Arbeitsschritt in der Fachsprache. Erst dann kann das Schleudern beginnen. »Ich bin da reingewachsen«, erzählt Patricia Stute, während sie die nächsten Waben in die Honigschleuder setzt, an der auch Sohn Oscar (4) steht und genau verfolgt, wie der Honig in den Eimer fließt. Sie schmunzelt. Die Imkerei ist Familiensache. Mit der Imkerei als Hobby sei man zeitlich »relativ gut ausgefüllt«.

A person wearing a hairnet and glasses uncaps a honeycomb frame filled with honey over a red tray.

Patricia Stute entfernt die Wachsschicht auf den Waben.

© Corinna Ludwig

A man wearing a plaid shirt inspects a beehive frame teeming with bees in an outdoor apiary.

Imker Henricus Stute

© Corinna Ludwig

Imkern ist Familientradition

Henricus Stute selbst ist schon seit seiner Jugend von Bienen fasziniert. Mit 13 Jahren absolvierte er gemeinsam mit seinem Bruder einen Kurs. »Wir wollten einfach Bienen haben«, erinnert er sich. Ungewöhnlich war dieser Wunsch in der Familie Stute nicht. Das Imkern liegt quasi im Blut. »Mein Urgroßonkel hatte bereits Bienenvölker«, blickt Manfred Stute, Henricus’ Vater, zurück und schlägt die Familienchronik auf. Er tippt auf eine Reihe schwarz-weißer Fotos, die einen Mann vor Bienenstöcken zeigen. »Das ist mehr als 90 Jahre her«, so Stute, der selbst einen grünen Daumen hat und den Garten der Familie hegt und pflegt – auf rund 2000 Quadratmetern. Auf dieser Fläche stehen auch fünf weitere Bienenvölker von Henricus Stute sowie Jungvölker, die er gebildet hat.

Garden scene with multiple wooden beehives tucked among green bushes, with pink hydrangeas in the blurry foreground.

Blick auf die Bienenvölker

© Corinna Ludwig

Konzerthaus-Sommertracht: intensiv, kräftig, würzig 

»Wenn man einmal angefangen hat, lässt es einen nicht mehr los«, sagt der 40-Jährige. Er wirft einen Blick in einen Bienenstock und prüft, ob alles in Ordnung ist. Es herrscht geschäftiges Treiben, wie ein gelb-schwarzer Teppich, der in ständiger Bewegung ist, ziehen die Bienen von Wabe zu Wabe. »Man ist einfach nah dran an der Natur«, begründet der Imker seine Leidenschaft für die Imkerei. »Bienen sind faszinierend. Der Honig ist einfach ein Nebenprodukt.« Ein 135 Kilogramm schweres Nebenprodukt – zumindest im Fall der Sommertracht vom Konzerthaus-Dach. Auch diese Ernte war erfolgreich. Und dass der Honig schmeckt, zeigt die abschließende Probe mit Holzstäbchen. Intensiver, kräftiger und würziger als die Frühtracht. »Das macht die Linde«, erklärt Henricus Stute. Er ist zufrieden. Auch Sohn Oscar probiert – und strahlt:

»Ich mag Honig.«

135 Kilogramm Honig sind bei der Ernte in die Eimer geflossen.

© Corinna Ludwig

Stylish man in black suit leaning with skateboard outdoors against a wall.. Adem Erkoç: https://www.pexels.com/@erkocphoto

Text:

Corinna Ludwig

Pressesprecherin