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Im Gespräch

»Man traut Kindern immer ein bisschen zu wenig zu«

–Jana Forkel, Journalistin und Fernsehmoderatorin

Jana Forkel, Moderatorin der »Konzerte mit der Maus«, über Klassik für Kinder und überraschende Perspektiven junger Zuhörerinnen und Zuhörer.

Ob beim Technischen Hilfswerk, in einer Blindenschule oder hinter dem Steuer eines Lkw: Jana Forkel arbeitet an den unterschiedlichsten Orten. Als Moderatorin der »Sendung mit der Maus« und des Nachrichten- und Reportagemagazins »neuneinhalb«geht die Wahl-Kölnerin Fragen auf den Grund, die Kinder und Jugendliche interessieren. Das führte sie Anfang Oktober auch ins Konzerthaus Dortmund. Beim »Konzert mit der Maus« lud sie gemeinsam mit Maus-Moderator Johannes Büchs und dem WDR Sinfonieorchester dazu ein, klassische Musik zu entdecken und zu erleben. Im Gespräch erzählt sie, was Klassik ihr bedeutet, welche Konzertmomente ihr besonders in Erinnerung bleiben und was sie von jungen Zuhörerinnen und Zuhörern im Publikum lernen kann.

Sie arbeiten seit Jahren mit jungen Menschen. Was fasziniert Sie an der Begegnung mit Kindern und Jugendlichen am meisten? 
Ich glaube, man findet kein authentischeres Publikum als Kinder und Jugendliche. Die Energie, die gerade bei den Konzertformaten wie dem »Konzert mit der Maus« von den Kindern zurückkommt, ist sehr groß und unfassbar authentisch. Erwachsene nehmen sich in einem Konzert ganz anders zurück, die lassen nicht so los wie Kinder. Wenn sie mitgehen – dann richtig. Und das finde ich einfach faszinierend. Ich liebe das, weil dadurch so eine Energie entsteht.

Gibt es Momente aus den »Konzerten mit der Maus«, die Sie besonders bewegt haben und so in Erinnerung geblieben sind?
Ich erlebe da auf ganz vielen Ebenen besondere Momente. Die Begegnungen auch nach den Konzerten sind immer sehr wertvoll. Wenn Kinder kommen und sagen: »Ich habe das erste Mal solche Instrumente gesehen und ich möchte jetzt unbedingt Schlagzeug lernen oder Geige.« Oder wenn Mütter mich ansprechen und sagen: »Es ist wichtig, dass ihre Tochter gesehen hat, da steht eine Frau auf der Bühne. Frauen können das auch.«

Welche Augenblicke bleiben aus den Konzerten selbst hängen?
In den Konzerten selbst ist es manchmal so, dass wir ein klassisches Stück hören und dazu dann eine Geschichte erzählen. Danach gehe ich ins Publikum und spreche darüber mit den Kindern. Mit wieviel Kreativität sich Kinder in die Musik denken.

Vielleicht entdecken Kinder in der Musik auch etwas, das Erwachsene gar nicht (mehr) wahrnehmen?
Absolut. Das ist so. Sie sind offener, haben keine festen Erwartungen. Lassen sich ganz auf die Musik ein. Zum Beispiel hatten wir 2024 Edvard Grieg als Thema und haben die »Morgenstimmung« gespielt. Wir Erwachsenen wissen vielleicht: Das ist die »Morgenstimmung«. Kinder kennen das Stück ja normalerweise nicht. Und als wir sie gefragt haben: »Was habt ihr so gefühlt, als ihr das Lied gehört habt?« Da kamen spontan Antworten wie »Die Sonne geht auf.« Da merkt man, wie stark klassische Musik Anklang bei Kindern finden kann und auch verstanden wird. Kinder werden da oft so unterschätzt. Man traut ihnen immer ein bisschen zu wenig zu. Dabei muss man nur den richtigen Zugang finden, um Kinder da heranzuführen.

A smiling woman in a white t-shirt and dark jeans sits on a black stool against a white background.

Jana Forkel

© Lena Heckl

Superhero mascot on stage with an orchestra, performing for an audience.

Die Maus im Heldenkostüm

© Ben Knabe

Genau das ist ja auch das Ziel der Mauskonzerte… 
Natürlich machen wir das Ganze immer auch ein bisschen verspielt. Mit einem Quiz. Oder die Kinder tanzen auch mal mit. Die sitzen ja nicht in einem normalen Konzert. Dann würde es schwierig werden, auch mit der Aufmerksamkeit. Deshalb versuchen wir immer, die Musik mit Bildern zu verknüpfen, die im Kopf entstehen sollen. Und sobald man den Kindern dazu eine verspielte Aufgabe gibt, lassen sie sich total darauf ein. Und manchmal gehen sie dann auch aus dem Konzert und summen die Lieder.

Was wünschen Sie sich für die Konzert- und Kulturlandschaft für Kinder?
Ich finde es total wichtig, dass es kostenlose Zugänge zu solchen Konzert-Veranstaltungen gibt. Und Projekte an Schulen, die es Kindern ermöglichen, einfach mal eine Geige oder andere Instrumente in die Hand zu nehmen. Es muss niedrigschwelliger sein. Das erlebe ich auch bei unseren Schulkonzerten. Da kommen Kinder ins Konzert, die sonst nie dort gelandet wären. Und auf einmal siehst du, wie sie das Schlagzeug mitspielen oder mitdirigieren. Da merke ich immer, wie wichtig und wie gut das ist, dass die das jetzt erlebt haben. Und im besten Fall gehen sie ja wirklich raus und sagen: »Oh, klassische Musik, das ist ganz schön cool.« Wenn wir so auch nur zwei Kinder erreichen, dann ist das, finde ich, ein Riesenerfolg.

Woman in purple sweater and leopard print pants posing against a white wall, hand on chin.

Jana Forkel

© Lena Heckl

Haben Sie aus Ihrer Kindheit eine Erinnerung an eine besondere Begegnung mit Musik?
Ich erinnere mich gerade daran, dass meine Nachbarin mich mal mit zu einem Konzert genommen hat. Sie hat an einer Schule gearbeitet und da gab es immer Schulkonzerte. Ich saß in der ersten Reihe und habe die Geige gesehen – und ich war sofort fasziniert. Wie diese ganze Gruppe zusammengespielt hat! Das hat mich auch gepackt. Da wusste ich: Wenn ich einmal Geige spiele, dann in einem Orchester. Das war für mich ein richtig wichtiger Aha-Moment und ohne meine Nachbarin weiß ich nicht, ob ich überhaupt mal in einem klassischen Konzert gelandet wäre. Und dort habe ich das Gefühl gehabt: Das möchte ich auch.

Sie haben dann auch Geige gespielt?
Als Kind habe ich gesagt: Ich möchte Geige oder Schlagzeug spielen. Weihnachten lag dann eine Geige unter dem Baum. Damit war die Entscheidung gefallen. Ich würde sagen, dass ich immer eine Affinität zur klassischen Musik hatte. Klassische Musik hat in mir so eine Entspannung und Ruhe auslöst, das mochte ich schon immer sehr. Während des Studiums ist mir diese Verbindung ein bisschen abhandengekommen – und durch die »Konzerte mit der Maus« aber wieder aufgeflammt. Das finde ich total schön. Ich sitze ganz, ganz oft, wenn die Stücke gespielt werden, am Seitenrand.

»Manchmal laufen mir dann auch die Tränen runter, weil es mich so tief rührt, die Musik direkt neben mir live auf der Bühne zu hören.«
A woman, a yellow mouse mascot, and a man stand on stage in front of an orchestra and audience.

Lena Forkel und Johannes Büchs moderieren die Konzerte mit der Maus.

© Katja Engelhardt

Im Konzerthaus Dortmund waren Sie mit dem »Konzert mit der Maus« zu Gast. Für Sie ist das ja quasi ein Heimspiel…
Das stimmt. Ich komme gebürtig aus Unna und für mich ist das natürlich ein Riesengeschenk, im Ruhrgebiet auf der Bühne zu stehen, wo ich selbst aufgewachsen bin. Und jetzt Kinder selbst mit klassischer Musik zu begeistern, das finde ich großartig. In mir löst das Heimatgefühle aus, und daher ist es direkt ein anderes Konzert. Und ich finde schon, dass die Kinder im Ruhrgebiet sehr mitgehen und über das, was sie gerade erleben, sprechen. Das ist dann auch mal lauter. Aber das mag ich total. Es ist eine gute Energie.

Gibt es etwas, dass Sie von den Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen für sich mitnehmen oder lernen möchten?
Völlig befreit in diese Konzerte zu gehen, ohne sich vorher einen Kopf zu machen oder irgendetwas zu antizipieren – das ist etwas, was ich mir immer wieder vor Augen führe. Dieses losgelöst sein von allem. Das finde ich schön und das überträgt sich auch ein Stück weit auf einen selbst. Das ist eine tolle Fähigkeit, die Kinder und Jugendliche haben. Wie offen sie dem Orchester und der Musik begegnen – das ist etwas ganz Wertvolles. Und das würde ich mir auch in unserem Erwachsenendasein viel, viel mehr wünschen.

Stylish man in black suit leaning with skateboard outdoors against a wall.. Adem Erkoç: https://www.pexels.com/@erkocphoto

Text:

Corinna Ludwig

Pressesprecherin