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Menschen

Liebe auf den ersten Ton

In seinem zweiten Jahr als Dortmunder Exklusivkünstler legt der Ausnahmedirigent Tarmo Peltokoski den Schwerpunkt auf seinen Lieblingskomponisten: Richard Wagner. 

»Wagner und ich sind einfach füreinander gemacht«, sagt der 25-jährige Tarmo Peltokoski über Richard Wagner, seine erste große Liebe zur Musik. Gerade mal elf Jahre alt ist er, als er auf YouTube eine lebensverändernde Einspielung Daniel Barenboims von Wagners »Siegfried« hört und sich sofort in die Musik verliebt. Er bekommt sie nicht mehr aus dem Kopf, singt auf Deutsch »Siegfried« und die »Götterdämmerung«, spielt die Gesangspartien von vorne bis hinten auf dem Klavier durch. Während seine Eltern und sein Umfeld sich nur noch über ihn wundern, wächst in ihm der Wunsch, Wagner zu dirigieren. Und zwar sein Leben lang. Denn die »Großartigkeit seiner Werke« ließ sich allein auf dem Klavier nicht erspüren.

Dabei war für den aus Vaasa stammenden Musiker eigentlich eine Karriere als Konzertpianist vorgesehen. Mit acht Jahren bekommt der Sohn einer philippinischen Mutter und eines finnischen Vaters Klavierunterricht. Nach dem Initialerlebnis mit Wagners »Siegfried« kommt zunächst als Ergänzung zum Klavier gedachter Dirigierunterricht dazu, der für den jungen Finnen jedoch immer mehr an Bedeutung gewinnt. Mit 14 Jahren wird er an der Sibelius-Akademie in Helsinki in die berühmte Dirigierklasse von Jorma Panula aufgenommen, dessen Schule schon bekannte Namen wie Esa-Pekka Salonen, Mikko Franck oder Jukka-Pekka Saraste hervorbrachte.

»Finnen sind Individualisten. Als ich ein Kind war, schaute ich zu diesen Dirigenten auf. Das waren meine Helden. Und als ich selbst anfing, dirigieren zu lernen, habe ich sie alle genau studiert. Ich wollte sie möglichst genau kennen und von ihnen lernen.« Tarmo Peltokoski
A focused male conductor in glasses, dressed in dark clothing, dramatically leading an orchestra.

Tarmo Peltokoski

© Romain Alcaraz

Es folgten Kooperationen u. a. mit dem Helsinki Philharmonic Orchestra, dem Finnish Radio Symphony Orchestra und dem Orchester der finnischen Nationaloper. Mit 22 Jahren dann der Durchbruch: Beim Festival »Eurajoki Bel Canto«, dem finnischen Bayreuth, dirigiert er zum ersten Mal einen kompletten Wagner-»Ring«-Zyklus. Seitdem ist die kometenhafte Karriere des Finnen kaum zu stoppen. Von der Presse als »Genie«, »Jahrhundertbegabung« und als »Dirigentenwunder« gefeiert, ist er seit der Saison 2025/26 Exklusivkünstler am Konzerthaus Dortmund und gab dort seinen umjubelten Einstand mit seiner zweiten großen Liebe: Mozart und dessen »Zauberflöte«. Nun will er auch mit Wagner die Herzen des Dortmunder Publikums erobern.

So stehen mehrere Konzerte unter der Leitung des Finnen auf dem Spielplan, die in verschiedenen Bearbeitungen dessen Werk in den Fokus rücken. Und das in Starbesetzung: Gemeinsam mit Klaus Florian Vogt als Heldentenor und Vida Miknevičiūtė, die in der Saison 2023/24 ihr Debüt bei den »Bayreuther Festspielen« gab, präsentiert er den zweiten Akt der Oper »Tristan und Isolde« konzertant. Für Peltokoski als Dirigent eine Herausforderung, die Selbstkontrolle erfordert: »Es ist mein Lieblingswerk. Ich bin dann kindlich begeistert, aber würde ich mich so vor ein Orchester stellen, dann wäre das ein komplettes Chaos«, so der Finne. Entscheidend sei, als Dirigent zu wissen, was wirklich wichtig ist, denn Wagners Opern seien nun mal lang.

Man with long brown hair, wearing a dark jacket and white shirt, looking contemplatively up and right.

Klaus Florian Vogt singt den Tristan in »Tristan und Isolde« am 14. Mai 2027.

© Harald Hoffmann

In der Folgesaison wird Wagners »Ring« am Konzerthaus Dortmund von Yannick Nézet-Séguin mit der »Götterdämmerung« fortgeschrieben. Als Auftakt für dieses Ereignis gibt Peltokoski dem Publikum in dieser Saison bereits einen kleinen Vorgeschmack: Mit dem Hong Kong Philharmonic, dessen Chefdirigent er ab der Saison 2026/27 ist, bringt er eine Kurzfassung des gesamten »Rings« zur Aufführung. Ergänzt wird das Programm durch den berühmten »Karneval der Tiere« von Wagners Antipode Camille Saint-Saëns. Peltokoskis Neugier und sein musikalischer Instinkt lassen ihn immer wieder seine Liebe für Werke anderer Komponistinnen und Komponisten entdecken. So darf sich das Publikum darüber freuen, dass ihm in den nächsten Jahren das Konzertmaterial nicht ausgehen wird.

»Ich weiß ziemlich genau, was ich in den nächsten Jahren tun werde, und mein Kalender füllt sich weiter. Es wird Jahrzehnte dauern, bis ich mein Repertoire ausgeschöpft habe.« Tarmo Peltokoski

Am Konzerthaus Dortmund widmet er sich in dieser Saison noch groß besetzt mit dem Rotterdam Philharmonic und Patricia Kopatchinskaja Prokofiews Zweitem Violinkonzert und Strauss’ berühmter »Alpensinfonie«. Außerdem ist der Finne bei einem Liederabend wieder am Klavier zu erleben. Es ist ein zweites Exklusivkünstler-Jahr, das ganz im Zeichen der Liebe zu Richard Wagner steht, aber stets neue musikalische Wege erkundet. Dabei lässt es den Funken der Begeisterung vom Dirigenten auf das Publikum überspringen: So wächst die Vorfreude auf leidenschaftliche Konzerterlebnisse.

A smiling woman with brown hair, dressed in black, leans against a wall, holding a violin and bow.

Patricia Kopatchinskaja spielt Prokofiews Zweites Violinkonzert am 7. März 2027.

© Marco Borggreve

Stylish man in black suit leaning with skateboard outdoors against a wall.. Adem Erkoç: https://www.pexels.com/@erkocphoto

Text:

Marie Walkowiak

Redakteurin

Young man with glasses in a dark jacket, dramatically lit, against a textured, dark background.