
Auf der Bühne
Die Maus ist ein Star im Konzertsaal
WDR-Konzertformat lässt Kinder Klassik entdecken
Wenn aufgeregte Kinderstimmen den Saal füllen, wenn das WDR Sinfonieorchester auf der Bühne die Titelmelodie der »Sendung mit der Maus« spielt und wenn dann auch noch die Maus selbst mit ohrenbetäubendem Jubel begrüßt wird – dann sind das untrügliche Zeichen für ein Konzertformat, das im Konzerthaus Dortmund schon lange Tradition hat: Seit zehn Jahren begeistern die »Konzerte mit der Maus« ein junges Publikum für klassische Musik. Im Oktober nahmen erneut Schulklassen und Familien im Konzertsaal Platz.
Lach- und Sachgeschichten im Live-Format
Juliana (7) ist nervös. Sie rutscht auf der Kante ihres Platzes hin und her, lässt ihren Blick immer wieder über die Bühne und durch den Saal schweifen. Ihre kleine Schwester Amalia (5) stellt ihrer Mutter eine Frage nach der anderen – doch als die Musik einsetzt, wird sie für einen Moment ganz still. Die Melodie kennt sie. Doch eigentlich nur aus dem Fernsehen, wenn die Lach- und Sachgeschichten über den Bildschirm flimmern. Live, mit dem vollen Klang eines großen Orchesters – das ist neu für sie. Sitzenbleiben fällt ihr da schwer. Als dann die Maus selbst auf die Bühne kommt, hält die Fünfjährige inne.
»Die Maus«, flüstert Amalia fast schon ehrfürchtig.
Mit der Maus und dem auch aus der »Sendung mit der Maus« bekannten Moderatoren-Team Jana Forkel und Johannes Büchs gehen die jungen Zuhörerinnen und Zuhörer an diesem Tag auf einen musikalischen Ausflug in die Welt von 1001 Nacht und die des Komponisten Nikolai Rimsky-Korsakow. Mit Musik – natürlich. Aber auch mit Quiz, Mitsing-Lied und Tanz, einfach mit Lach- und Sachgeschichten im Live-Format. »Wir versuchen immer, aus einem Konzert ein emotionales Konzerterlebnis zu machen«, erklärt Mirjam von Jarzebowski, Redakteurin für Musikvermittlung beim WDR, und auch für die Konzerte mit der Maus verantwortlich. »Dafür ist es wichtig, uns in die Lebenswelt der jeweiligen Zielgruppe einzudenken.«

Amalia (5) und ihre Schwester Juliana (7) waren beim Familienkonzert dabei.
© Corinna Ludwig | KHD
Musik, die Geschichten erzählt
Bei dem Konzert mit der Maus sind das – vor allem bei Schulkonzerten – Dritt- und Viertklässler. Da brauche es »einen bunten Strauß an unterschiedlichen, wechselnden Elementen« und Live-Musik, die nicht länger als dreieinhalb Minuten lang sein sollte. »Das ist das Maximum«, so Mirjam von Jarzebowski. Sonst wird es zu lang, für die Kinder zu langweilig und im Saal schnell zu laut. Langweilig ist Amalia im Familienkonzert nicht. Gemeinsam mit den anderen Kindern verfolgt sie den »Hummelflug« des Orchesters. Zusammen wird die Geschichte ausgeschmückt, die die Musik erzählt. So werden ein Glitzerschwan und ein Elefant mit Maus-Shirt zu den Hauptdarstellern einer Geschichte von einem Sommertag, einer Fahrt auf dem Meer mit hohen Wellen, Sturm und Gewitter und einer Freundschaft, die all das übersteht.
Natürlich wird es da immer wieder auch mal unruhig. Zwischenrufe wechseln sich mit Applaus ab, beim Quiz wird fleißig mitgeraten. Aber da sind auch die ganz intensiven, leisen und berührenden Momente. Die, bei denen die Kinder die Augen schließen, wirklich hinhören und anschließend ihre Gefühle in Worte fassen, die die Musik bei ihnen ausgelöst hat. Da ist der Augenblick, in dem Schulkinder in einem vollen Konzertsaal ein Lied von Freundschaft singen. Oder der Moment, bei dem das ein oder andere Kind, das noch nie zuvor in einem Konzert war, die Musik und ihre Wirkung für sich entdeckt.

Mirjam von Jarzebowski, Redakteurin für Musikvermittlung beim WDR, mit der Maus
© privat
Hinter den Kulissen beim Konzert mit der Maus

Bratschist Mischa Pfeiffer
© privat
Einer, der die Reaktionen der Kinder direkt zu spüren bekommt, ist Mischa Pfeiffer. Seit zehn Jahren ist der Bratschist Mitglied des WDR Sinfonieorchesters und auch bei den Konzerten mit der Maus regelmäßig auf der Bühne. »Ich finde diese unmittelbare Reaktion toll«, erzählt er in der Pause zwischen Schul- und Familienkonzert. Natürlich sei es auch mal laut, aber er bestätigt: »Da ist mal Action und dann kommt auch wieder ein Moment der Ruhe.« Mitzubekommen, welche Bilder und Emotionen die Musik auslöse, »das ist schon besonders. Kinder sind da ja sehr frei.« Für den Musiker, der selbst mit sieben Jahren begonnen hat, Geige zu spielen, bevor er schließlich die Bratsche für sich entdeckte, ist mit den »Maus-Konzerten« auch ein besonderer Wunsch verbunden:
»Ich habe immer die Hoffnung, dass Kinder, die zum ersten Mal in einem solchen Konzert klassische Musik hören, Lust bekommen, sich auf Musik einzulassen.«

Das WDR Sinfonieorchester beim Schlussapplaus
© Corinna Ludwig | KHD
Für Juliana ist das nach dem Konzert ganz klar. Als der letzte Ton verklungen ist und sich Maus und Moderatoren verabschiedet haben, ist sie sicher: Sie möchte Violine spielen. Die Geigerinnen und Geiger im Orchester hat sie sich ganz genau angeschaut. »Die fand ich am besten.« An ein Instrument denkt ihre kleine Schwester hingegen nicht. Dafür an die Maus. Die »in echt« zu sehen. »Das fand ich schön.«
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Zurück ins Ruhrgebiet
Ein positives Fazit zieht auch Moderatorin Jana Forkel. Nicht allein, weil ihr dieses Konzertformat besonders am Herzen liegt. Sondern auch, weil die Konzert-Tour die gebürtige Unnaerin wieder ins Ruhrgebiet geführt hat. »Für mich ist das natürlich ein Riesengeschenk, hier auf der Bühne zu stehen und jetzt Kinder selbst mit klassischer Musik zu begeistern. Das finde ich großartig.« Auch die Energie im Konzertsaal war für sie »typisch« für das Ruhrgebiet. Wirklich gut sei es gewesen, erzählt sie, während die Bühne bereits wieder frei geräumt wird und hinter den Kulissen die Instrumente in ihre Kisten und Koffer gelegt werden. Jana Forkel lächelt.
»Die Dortmunder können es einfach. Daran habe ich keine Zweifel gehabt.«

Die Konzerte mit der Maus gibt es bereits seit zehn Jahren.
© Katja Engelhardt
Text:
Corinna Ludwig
Pressesprecherin






